Die Welt von Morgen

 

Um etwas über die Zukunft zu erfahren, war man in vergangenen Zeiten auf die Auslegung religiöser Schriften, prophetische Weissagungen und mystische Überlieferungen, den Stand der Sterne und auf Glaskugeln angewiesen. Auch heute noch glauben viele Menschen an solche und ähnliche Dinge, obwohl sie sich längst als ungeeignet und irreführend erwiesen haben. Das Geschäft der Scharlatane geht weiter.

 

Um verlässlichere Antworten auf die Fragen der Zukunft zu bekommen, bedient man sich heute wissenschaftlicher Methoden der Zukunftsforschung. Es ist ein Zusammenspiel realer Erkenntnisse aus einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Disziplinen, statistischen Berechnungen und plausiblen Prognosen auf der Grundlage von Sozial- und Naturwissenschaften. Die inzwischen weltweite Vernetzung erleichtert und beschleunigt die Arbeit. Aber auch hier kennt man die Zukunft nie ganz genau. Unvorhersehbare Ereignisse können zu erheblichen Abweichungen führen.

 

Der deutsche Politikwissenschaftler Ossip K. Flechtheim schrieb Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts in seinem Werk „Futorologie – Der Kampf um die Zukunft“:

„Das Ergebnis der Überlegungen dieses Bandes vorwegnehmend, sei aber schon hier das Vorausdenken von drei Schemata oder Alternativen angedeutet, das zur Erhellung der Zukunft beitragen mag.

Das erste und vielleicht nicht einmal unwahrscheinlichste Modell wäre in der Tat das Ende der Menschheit oder zumindest der Untergang der modernen Zivilisation als Folge verheerender Kriege.

Das zweite Modell liefe dagegen auf eine relative Stabilisierung bürokratisch-technokratischer Regime der Rüstung und Raumfahrt hinaus, die mit dem Begriff Neo-Cäsarismus umschrieben werden könnten.

Die dritte und vielleicht sogar wenigst wahrscheinliche Variante der Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert wäre eine solidarische Weltföderation mit Planung der Zukunft der Menschheit im Dienste von Frieden, Wohlfahrt und Kreativität.“

 

Die Gefahr eines dritten Weltkrieges

 

Als Professor Flechtheim seine Zeilen schrieb, befand sich die Welt mitten im Kalten Krieg. Die Sowjetunion und die Westmächte hielten Nuklearwaffen mit einer Gesamtsprengkraft von mehr als dem 6000-fachen der Hiroshima-Bombe bereit. Es tobten unzählige Stellvertreterkriege in Afrika, Asien und Südamerika. Der Ausbruch eines dritten Weltkrieges stand mehrmals kurz bevor und unser Überleben auf des Messers Schneide. Diese Gefahr schien mit dem Ende des Ost-West-Gegensatzes vorbei zu sein.

 

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich die Situation wieder deutlich verschlechtert. Der ersehnte Weltfrieden scheint in ferne Zukunft zu rücken. Neue Menschheitsprobleme – insbesondere durch den Klimawandel verursacht – erzeugen Unsicherheit und liefern Zündstoff für zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen, die letztendlich doch noch zu einem dritten Weltkrieg führen könnten. Daran werden weder das 2017 von der Mehrheit der UNO-Mitgliedsstaaten beschlossene Verbot von Atomwaffen noch ein Friedensnobelpreis viel ändern. Das wäre dann das Ende der Zivilisation, vielleicht sogar der gesamten Menschheit.

 

Eine trügerische Stabilität

 

Auch wenn die UNO ohne Zweifel eine wichtige Organisation ist, ohne die es heute in der Welt eher schlechter als besser zuginge, hat sie den eigentlichen Zweck ihrer Gründung bisher nicht erreicht: Die Errichtung und Sicherung des Weltfriedens. Dafür sind nach wie vor die Großmächte und ihre Verbündeten verantwortlich, welche die UNO hauptsächlich als Spielfeld ihrer nationalen Interessen verstehen. Der Welt fehlt bisher ein allgemein gültiges und durchsetzbares Weltrecht, dem sich auch nationale Interessen unterordnen müssten. Es geht dabei nicht um Kleinigkeiten, sondern um globale Interessen, wie zum Beispiel den Weltfrieden.

 

Als Professor Flechtheim in seinem zweiten Modell eine relative Stabilisierung bürokratisch-technokratischer Regime der Rüstung und Raumfahrt voraussah, schätzte er diese Stabilisierung tatsächlich als relativ, also unsicher ein. Genau darauf läuft die gegenwärtige Entwicklung in der Weltpolitik hinaus. Niemand will Krieg, aber alle bereiten sich darauf vor. Es zeichnet sich ab, dass das Wettrüsten und die Konkurrenz der Mächte auch im Weltraum fortgesetzt werden. Das bedeutet eine dauernde Bedrohung und erhebliche Behinderung für eine positive Zukunft der Menschheit.

 

Die solidarische Weltföderation

Die nach Professor Flechtheim wenigst wahrscheinliche Weltföderation wird kommen. Es fragt sich nur wann und wie viel Leid die Menschheit bis dahin noch erleben muss. Letztendlich werden die Nationalstaaten – auch die Großmächte – dazu gezwungen sein, denn nur durch effektive Zusammenarbeit in einer solidarischen Weltunion sind die zukünftigen Probleme zu bewältigen. Darin liegt die realistischste Chance für das Überleben der Menschheit in einer besseren Zukunft.

 

Es besteht allerdings die Gefahr, dass eine solche politische Vereinigung wenig demokratisch erfolgt. In Krisenzeiten trauen die Menschen autoritären Regimen eher zu, die Probleme bewältigen zu können. Sie wählen dann selbst die Demokratie mehr oder weniger demokratisch ab. Eine Entwicklung in Richtung einer Weltdiktatur selbsternannter Eliten würde wieder zu beträchtlichem Konfliktpotential führen. Eine wirklich gerechte und solidarische Weltordnung wäre kaum möglich.

 

Deshalb ist es heute äußerst wichtig, dass alle Menschen, die eine bessere Welt wollen und sich dafür einsetzen, ebenso die Globalisierung der Demokratie unterstützen. Konkret heiß das: Die Demokratisierung der Vereinten Nationen. Der beste Weg dort hin führt über die Schaffung eines demokratischen Weltparlamentes, wie es die UNPA-Kampagne anstrebt. Es reicht nicht mehr aus, gegen Missstände zu demonstrieren und oberflächlichen Heilsversprechen hinterher zu laufen. Wir müssen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen und sie auch wirklich wollen und offensiv fordern, die ...

„… solidarische Weltföderation mit Planung der Zukunft der Menschheit im Dienste von Frieden, Wohlfahrt und Kreativität.“